parvenu, Autor Helmut Englisch, ein Szintigramm der Einsamkeit, Buch-Neuerscheinung, Neuerscheinung

Parvenu


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Textauszug aus der Neuerscheinung „Parvenu-Ein Szintigramm der Einsamkeit“

Textauszug 5





Parvenu fühlte sich elend, so wie er sich noch nie elend gefühlt hatte. Er zählte jeden Krumen des zur schimmernden Armut erwachten Lebens. Er zählte und kalkulierte, er erhob Statistiken und stellte frustriert fest, dass niemand an seinem Ergebnis interessiert war.
Seine Beine zitterten, die Lungen vibrierten aufgeregt. Unsicher und unschlüssig stand er da, wie auf fremden Boden, auf unbekanntem Terrain, mit angeschlagenem Selbstbewusstsein und ohne ein Zutrauen zu sich selbst.
Hilfe suchend blickte er um sich.
Aber das Land kümmerte sich nicht um den Abschaum und ließ ihn richtungslos in den Wellen des Vergessens treiben. Die See spülte ihn erbarmungslos immer wieder ans Ufer zurück und die Seelen, die die Wasser durchschwammen, als gelte es, einzig und allein vor dem Untergang zu fliehen, standen kurz darauf wieder an ihrem Ausgangspunkt und feierten geduldig ihre Rückkehr, während der Tod sich in Tränen auflöste und die Verzweiflung umarmte, aber ansonsten jegliche Verantwortung für das Schließen der Tore weit von sich wies.
So kam es, dass die Schreie, ausgehungert zum Schilfrohr des Vergessens, sich um seinen müden Körper wanden und seine leblose Brust in aller Eile fest zusammen schnürten, so dass es ihm schwer fiel, sogar die wichtigsten Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten.
Sein Atem stockte, seine Sinne verschleierten sich im dichten Nebel des Nichts und es schien, als ob es nichts gäbe, das ihn aus dieser Situation je hätte befreien können.
Doch kurz darauf änderte sich die Situation. Das Leben war guter Dinge und sang bereits am frühen Morgen in melodischer Spielerei das Lied vom Sieg und vom Verrat und von der Süße des Todes.
Er hatte die Botschaft verstanden und so zog er sich noch weiter zurück, in sein Schneckenhaus und es kam ihm vor, als ob er abgekoppelt sei, von der Welt. Als ob er abgenabelt sei, von dem Sein und dem Wollen.
Er kannte niemanden und niemand kannte ihn. Als wenig später, die aufgehende Sonne sich endgültig von ihrer Morgenmüdigkeit frei gemacht hatte und noch mehr Licht durch das Fenster schaufelte, versuchte Parvenu ebenfalls, seine steifen und müden Glieder aus dem Zustand der Untätigkeit zu befreien und sich, wenn auch widerwillig, auf den Morgen und das Erwachen und das Leben einzustellen.


"Parvenu - Ein Szintigramm der Einsamkeit" ISBN 978-3-941292-00-0 160 S.fest geb. €14,90

Bestellung: buchhandel@marianne-englisch.eu
Website: www.buchhandel.marianne-englisch.eu

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"Aktualisiert am 18 Apr 2011"

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