parvenu, Autor Helmut Englisch, ein Szintigramm der Einsamkeit, Buch-Neuerscheinung, Neuerscheinung
Textauszug 3
Parvenu kam sich überflüssig vor. Er merkte, wie sich seine Gefühle immer wieder irritiert zurück zogen. Längst hatte er sinnlich alle Ufer überschritten. Er war kopflos hinaus geeilt und stand auf verlorenem Posten, schrie nach Anerkennung und Genugtuung und kam doch nirgends an.
Das Entsetzen, das ihm förmlich ins Gesicht geschrieben stand und das der Situation beileibe nichts Gutes abgewinnen konnte, ergötzte sich an diesem Durcheinander und die unkontrollierten Gefühlsausbrüche ergossen sich in einem Maß über ihn, so als ob alle Bäche ihre Schleusen geöffnet hätten.
Die Sinne würgten an ihrer Fassungslosigkeit und die Worte erbrachen sich am Rausch der lautlosen Buchstaben. Die Angst, die bisher immer im Abseits stand und sich ausgeschlossen fühlte, erfreute sich plötzlich, ohne dass man festmachen konnte, wie dieser Wandel zustande kam, stolz ihrer Beliebtheit.
Die Zeit, die kein Freund willkürlicher Maßstäbe war und diese sogar als Abschaum empfand, mahnte wiederholt zum Aufbruch und widersetzte sich gleichzeitig paradoxer weise allen Wünschen nach Veränderung. Das Schweigen hielt der Macht die Hände, und die Schläfer erwachten ernüchtert, weil sich herausstellte, dass tatsächlich niemand wusste, wo sie sich derzeit gerade aufhielten. Und Gott sei Dank schien man nicht mehr daran zu glauben, dass die Gefahr am Hindukusch ihren Ausgang nehmen werde.
Es kam daher nicht von ungefähr, dass der Wind, der sich das Schauspiel lange mit verbitterter Mine angesehen hatte, seine krebskranken Backen auf blähte und zerstörerisch und offenbar, kurz bevor seine Lungen lustvoll platzen wollten, rüde und rücksichtslos zwischen die Fronten fuhr. Er sättigte die ausgetrockneten Wogen eines magisch wirkenden Zustandes von Eitelkeiten mit der Fülle des Nichts und kraftvoll teilten die mächtigen Arme seines ausgemergelt wirkenden Körpers, den Schwingen des Adlers gleich, im ewigen Rhythmus des Schweigens die Lüfte, die, überrascht von dem kraftvollen Einsatz, asthmatisch keuchten. Und die zerklüftet wirkenden Gesichter der Zweifelnden, die das Schauspiel mit offenem Mund verfolgten und sich fast an ihrer Ungläubigkeit verzehrten, standen staunend in der Menge und die Ungeduld trommelte Alarm und übernahm die Patenschaft für ein Tun, für das es bisher, unter normalen Umständen, eine Rechtfertigung nicht geben konnte.
Die Worte, die sich ihrer Macht durchaus bewusst waren, schwiegen sich tapfer aus, während sie den übernächtigten und widerlich wirkenden Fratzen des Todes, der ungeduldig auf seinen Einsatz wartete, bereitwillig Absolution erteilten, um heraus zu kommen, aus dieser Eingleisigkeit eines Seins, das bereits den Geruch der Verwesung in seinen Kleidern trug.
„Der frühe Morgen fängt den Spatz" und so verfolgten alle Beteiligten spielerisch aufmerksam und unvoreingenommen dieses perfide Spiel.
Parvenu - Ein Szintigramm der Einsamkeit ISBN 978-3-941292-00-0 160 S.fest geb. € 14,90
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